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Polizeiversagen - Ist die Wahrheit unwichtig?

 

Dienstag, der 05.12.2017

Trotz dessen konnte ich erst in den frühen Morgenstunden einschlafen. Dann jedoch bis in den Nachmittag hinein. Nach dem Frühstück und dem Essen erfolgte der Anruf bei der Rettungsleitstelle erst nach 18:00 Uhr. Meine Mutter war die ganze Zeit über sehr ruhig bzw. im Halbschlaf. Dies wahrscheinlich schon aufgrund der Tatsache, dass ihr Medikamentenplan sehr umfangreich war. Einige Arzneimittel waren für sie am Tag sehr ermüdend. Allerdings hatte sie schon vorher über häufige Schlafstörungen in der Nacht geklagt. Das Schmerzmittel erzielte jedoch eine gute Wirkung.

Im weiteren Verlauf hatte ich wohl einen folgenschweren Fehler begangen. Beim Eintreffen der Sanitäter frage ich sie bereits an der Wohnungstür, ob sie etwas dagegen hätten, wenn ich den Besuch mit dem Diktiergerät aufzeichne. Dies nur um weitere Missverständnisse oder falsche Anschuldigungen (wieder seitens meines Vaters) beweisen zu können. Es war sozusagen ein Akt der Verzweiflung und Kontrolle, damit wirklich hundertprozentige Arbeit geleistet wird. Im Nachhinein kann ich wohl sagen, dass es eine sehr schlechte Idee war. Der Staat kann soviel kontrollieren wie er will, aber als Privatperson darf man wohl keine Arbeitsleistung überwachen.

Beide Sanitäter ignorierten meine Frage. Das Aufnahmegerät hatte ich sichtbar in der Hand. Sie gingen in das Wohnzimmer zu meiner Mutter und ich legte das Diktiergerät sichtbar auf den Tisch. Da es keine Einwände der beiden Rettungssanitäter gab, ging ich davon aus, dass es für sie kein Problem war. Meine Mutter wurde dann nach ihren Beschwerden befragt. Eine professionelle Untersuchung am Becken fand jedoch nicht statt. Der eine Sanitäter sagte dann zu meiner Mutter: "Frau Schmidt, es wäre wohl besser, wenn wir sie zum genaueren Check ins Krankenhaus mitnehmen."

Und genau jetzt verhielt sich meine Mutter wie ein kleines Kind: "Nein, ich will nicht schon wieder ins Krankenhaus." Verständlich, sie war im Jahr 2017 vorher schon zweimal. Und sie hatte bereits eine Abneigung gegen das Krankenhaus. Daraufhin gab es eine kurze Diskussion, bei der ich dann meiner Mutter sagte: "Du musst ins Klinikum. Es geht nicht anders. Du kannst so nicht liegen bleiben." Als meine Mutter unverbesserlich nicht einlenkte, sagte der Sanitäter: "Frau Schmidt, wenn sie nicht mitwollen, dann müssen sie mir etwas unterschreiben." Und dies tat meine Mutter. Im Folgenden sagte ich: "Das geht so nicht. Sie muss ins Krankenhaus. Das kann so nicht sein."

Jetzt wurden beide Sanitäter etwas ungemütlich. Der andere forderte mich auf, mit dem Diktiergerät in den Flur zu kommen. Die Tür zum Wohnzimmer wurde geschlossen. Dann sagte der Sanitäter zu mir: "Das machen wir so nicht. Wir rufen jetzt die Polizei."

Und innerhalb kürzester Zeit standen beide Polizeibeamten vom Vortag (Polizeirevier Karlsruhe-Waldstadt) wieder in der Wohnung. Vorher kam noch der andere in den Flur und sagte zu mir, mit sehr heftiger Stimme: "Das ist eine Straftat, die sie gegangen haben."

 

Straftat? Was hatte er damit gemeint? Ich war jetzt vollkommen sprachlos. War damit die Tonaufzeichnung gemeint? Aber beide Sanitäter hatten doch vorher die Möglichkeit gehabt, klipp und klar "Nein" zu sagen. Oder gab es in meiner Abwesenheit im Wohnzimmer, wieder weitere Anschuldigungen von meinem Vater? Diese Frage kann ich auch heute nicht beantworten. Allerdings bin ich mir sicher, dass er die gesamte Schuld für den Sturz meiner Mutter auf mich geschoben hatte.

Nach dem Eintreffen der Polizisten war die Rollenverteilung wieder die Gleiche vom Vortag. Ich war der böse Schizophrene, mein Vater der gute alte Opa, meine Mutter die gelangweilte Pflegeheim-Oma. Der ältere Beamte hatte wieder die volle Regie und Kontrolle über das Geschehen. Der jüngere Polizeibeamte war wieder der sprachlose Mitläufer bzw. Lehrling. Er hatte wie am vorherigen Tag nichts zu sagen oder zu melden. Ich stand also wieder als "verwirrter Straftäter" im Mittelpunkt der ganzen Aktion. Es hagelte harte Kritik wegen der Tonaufzeichnung. Dann gab es ein Gespräch der zwei Sanitäter und zwei Polizisten im Flur bei geschlossener Wohnzimmertür. Mein Diktiergerät hatte ich ihnen vorher aushändigen müssen. Nach einiger Zeit kamen sie dann ins Wohnzimmer, um mich nochmals zu maßregeln. Dann war der ganze Polizeieinsatz schon beendet. Die Polizeibeamten und Sanitäter konnten zu guter Letzt ihren ganzen Tagesfrust bei mir abreagieren. Und meine Mutter mit Beckenbruch war wieder vollkommen unwichtig.

Und wenn Blicke töten könnten, dann wäre ich dreimal tot umgefallen. Lediglich der Polizei-Lehrling war bei dem ganzen Geschehen etwas gelangweilt, als ob er auf den Feierabend wartet. Dann war der ganze Spuk vorbei. Und alle vier Mann verließen die Wohnung. Gott sei Dank, ich musste wirklich froh sein, sie hatten mich nicht (als Strafe) in die Psychiatrie gefahren.

Im Anschluss dachte ich zunächst, sie hätten mein Diktiergerät beschlagnahmt. Doch dann fand ich es im Flur auf dem Seitenschrank. Die Tonaufnahme war selbstverständlich gelöscht worden.

 

Und damit war praktisch klar, dass ich an diesem Tag keinen weiteren Anruf bei der Rettungsleitstelle machen konnte. Vielleicht hätte ich noch mit einer unfreundlichen Antwort rechnen müssen. Am Abend verabreichte ich meiner Mutter wieder das starke Schmerzmittel. Für den nächsten Tag mussten wir einen anderen Weg gehen. Bereits im Januar 2017 sorgte ich für einen Arztwechsel meiner Mutter, zu meiner Hausärztin in der Waldstadt. Sie macht für ältere Personen auch Hausbesuche. Aber nur an einem Tag in der Woche.

Mittwoch, den 06.12.2017

Nach gemeinsamer Absprache und Telefonat holte mein Vater bereits am Vormittag einen Kranken-Transportschein von der Hausärztin. Anschließend rief ich die Leitstelle für einen Krankentransport an. Selbstverständlich mit der Information, dass wir in Rücksprache mit der Hausärztin einen Transport meiner Mutter ins Krankenhaus möchten. Und siehe da: Jetzt ging alles ganz einfach. Es ist kaum zu glauben, wie viel man mit einem Stück Papier und Stempel einer Ärztin erreichen kann. Ohne weitere Probleme wurde meine Mutter mit dem Krankenwagen in die Unfallchirurgie vom Städtischen Klinikum gefahren.

Und musste dann schnellstmöglich am Becken operiert werden. Im Anschluss war sie für weitere zwei Wochen stationär in der Chirurgie. Danach noch für weitere sechs Wochen in der Kurzzeitpflege in einem Pflegeheim.

Die abschließende Frage ist: Wäre es nicht einfacher gegangen? Wer hat denn nun falsch gehandelt? Wer hat die Fehler begangen? Ich bin langfristig nicht bereit, dass die ganze Schuld an mir hängen bleibt. 

 

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich den Faustschlag nicht auf die linke Wange bekommen hätte. Somit war keine sichtbare Verletzung zu sehen. Ein derart starker Schlag auf der Nase hätte zu einem Nasenbeinbruch mit Blutung geführt. Ebenso auf dem Mund. Eine blutende Lippe, ein fehlender Zahn … wäre dann der Polizeibeamte zu einem anderen Ergebnis gekommen? Wahrscheinlich nicht, denn ausschlaggebend war wohl die Falschaussage von meinem Vater. Und dies stimmt mich sehr traurig.

Ein neunzigjähriger Weltkriegssoldat kann (trotz Alkoholgenuss) mit wenigen stigmatisierenden Worten einen Polizisten auf seine Seite bringen. Jetzt müsste ich ernsthaft die Frage stellen: Leben wir im 21. Jahrhundert? Müssen jetzt alle Menschen, die in psychotherapeutischer Behandlung sind, sofort in die Psychiatrie deportiert werden? Habe ich weniger Glaubwürdigkeit wie ein alter Soldat? Soll meine Wahrnehmung und Wahrheit als Wahnvorstellung definiert werden? Dann sollte ich wohl besser auswandern und mich von diesem Rechtsstaat distanzieren.

Aber die Geschichte und der Streit mit meinem Vater geht weiter ... 

 

Montag, 08.01.2018

Im Januar als meine Mutter noch in der Kurzzeitpflege war kam es zu einem weiteren Zwischenfall. Nachdem ich bis zum Vormittag gut geschlafen hatte und dann aufgestanden war, bemerkte ich, dass die Waschmaschine lief. Was mich sehr wunderte, denn seit dem Jahr 2014 war ich für das Waschen bzw. die Waschmaschine zuständig. Meine Mutter war seit ihrer Herzinsuffizienz-Diagnose eingeschränkt für diese Tätigkeit. Außerdem hatte sie bei der Bedienung der neuen modernen Waschmaschine etwas Probleme. Mein Vater war in all den Jahren nie mit dieser Aufgabe vertraut oder erfahren.

Die Maschine lief also an diesem Tag im Pflegeleicht-Programm bei 30 Grad Celsius. Woraufhin ich ins Wohnzimmer ging, um meinen Vater zu fragen, was denn da gewaschen wird. Seine Antwort: "Das sind die ganzen Nachthemden von deiner Mutter aus dem Pflegeheim." Meine Antwort lautete: "Für die Waschmaschine bin ich aber zuständig. Außerdem muss man solche Sachen mit 95 Grad im Koch-Programm waschen." Und dies war dann schon der Beginn von einem Streit. Er hatte sogar auf einen Hygiene-Spüler verzichtet. Für mich eine absolute Katastrophe. Und sein Tonfall wurde innerhalb kurzer Zeit wieder sehr herrisch und beleidigend. Mit Sicherheit infolge von seinem ersten Bier als Frühschoppen. Und im Fernsehen lief natürlich bereits das Sportfernsehen. Ich stand also noch mit Unterhose im Wohnzimmer und er bekam wieder seinem aggressiven Wutaussetzer.

Er sprang von der Couch auf und kam mit geballt erhobenen Fäusten und sehr beleidigenden Worten (Saukopf, Blödian, Drecksack) auf mich zu. Um die Situation schnell zu entschärfen, ging ich rückwärts aus dem Wohnzimmer. Ich schloss die Tür und drehte den Schlüssel, um zu vermeiden, dass der drohende Krieg im Flur weiter geht. So hatte ich erst mal Zeit, um mich zu waschen und dann anzuziehen. Danach hätte ich das Wohnzimmer wieder aufgemacht. Mein Gedanke war dabei nur, dass der drohende Konflikt entschärft wird. Aber diese kurze Zeit nutzte mein Vater für einen Notruf bei der Polizei … klar, er war sich ja gewiss, dass er bei der Polizei neue Freunde (im Kampf gegen den Sohn) gefunden hatte ...

 

Noch bevor ich mit dem Rasieren fertig war, klopfte es schon stark an der Wohnungstür. Mit Unterhose bekleidet ging ich an die Tür, um durch den Spion zu schauen. Ein junger Polizist und eine Polizistin standen vor der Tür. Woraufhin ich laut sagte: "Einen Moment bitte, ich muss mich erst noch anziehen." Nach dem Ankleiden öffnete ich die Tür. Die beiden Beamten wollten natürlich gleich Zutritt in die Wohnung. Dann begann auch gleich die Anschuldigung: "Sie haben ihren Vater im Wohnzimmer eingesperrt. Das geht nicht." Die Wohnzimmertür wurde jetzt auch geöffnet. Und dann war der nachfolgende Wortwechsel, seitens meines Vaters, auch wieder entsprechend der Vergangenheit: "Der ist total durcheinander und durchgedreht. Der muss weg." Bei diesem Wortgerangel kam ich kaum zu Wort. Und innerhalb kurzer Zeit sagte schon der Polizist: "Wir fahren Sie in die Psychiatrie." Meine Antwort darauf: "Warum denn das? Und was ist, wenn ich nicht in die Psychiatrie will?" Die Polizeiantwort: "Ja, dann nehmen wir Sie unter Zwang mit."

Dann versuchte ich dem Polizisten klar zu machen, dass ich erst aufgestanden war, es einen Streit wegen der Waschmaschine gab, mein Vater mich angreifen wollte und ich noch keine Gelegenheit hatte, um zu frühstücken. Zudem sagte ich ihm: "Ich kann so nicht mitfahren, weil auch noch dringend groß auf die Toilette muss." Dies stellte die Beamten anscheinend auf eine extreme Geduldsprobe. Das Radio durfte ich beim Kaffee trinken nicht einschalten. Und der Witz an der ganzen Sache: Während ich auf der Toilette war, wechselten die Polizisten. Sie hatten beim Polizeirevier Waldstadt zwei andere angefordert. Und siehe da, es waren die gleichen zwei Polizeibeamten, die schon bei meiner Mutter ihre unglaubliche Leistung vollbracht hatten ...

 

Ergänzend muss ich noch folgendes nachtragen: Beim Kaffee kochen und beim Frühstück wurde ich die ganze Zeit beaufsichtigt. Der Beamte stand in der Tür, gerade so, als ob ich gefährlich wäre. Wie ein Krimineller, der eventuell ein Messer aus der Schublade hätte holen können, um einen Angriff zu starten.

Nachdem die anderen Polizisten eingetroffen waren, war mein Toilettengang noch nicht beendet. Durch die geschlossene Tür wurde ich aufgefordert mich zu beeilen. Im Anschluss gab es ein kurzes Gespräch, wobei ich den Polizisten mitteilte: "Was soll diese ganze Aktion? Warum soll ich in die Psychiatrie?" Daraufhin teilte er mir mit: "Wir fahren sie jetzt ins Polizeipräsidium und dort werden Sie sich mit einer Kriminal-Psychologin unterhalten." Dann ging die Fahrt mit dem Polizeiauto zum Polizeirevier Waldstadt. Nach der Ankunft musste ich im Eingangsbereich Platz nehmen. Und dort eine Weile warten. Bei geöffneter Tür konnte ich dabei ein Telefongespräch belauschen. Das Telefon war anscheinend auf Freisprechen geschaltet und ich konnte hören, wer am anderen Ende war. Der Anruf fand mit meinem Vater statt. Dabei sagte er: "Der muss in die Psychiatrie, damit er wieder hergestellt wird." Dies ist der entscheidende Satz, der mir im Gedächtnis geblieben ist.

Warum wohl? Mein Vater hatte besonders viel Spaß im Jahr 1990/91 als mir mit Haldol der Mund gestopft wurde. Dies muss ihm gut gefallen haben. Er konnte sein Bierchen trinken und der Sohnemann konnte keinen Pieps mehr machen. Ja, diese tolle alte Karlsruher Psychiatrie, wo man Menschen mundtot machen kann.

Dann wurde ich von dem Beamten aufgefordert zum Empfangsbereich zu kommen. Auf dem Tresen lag ein kurzes Schreiben mit dem Vorwurf der Freiheitsberaubung. Hier sollte ich nun ankreuzen, ob ich mich weiter zum Fall äußern wollte. Und das Ganze dann mit Unterschrift bestätigen. Allerdings hatte ich jetzt keine Lust mehr irgendetwas zu sagen. Dies war aber auch die Folge von dem unverschämten Grinsen des Beamten. Außerdem stellte er dabei die Frage, ob ich einen Betreuer hätte. Oh Nein, ich hatte die Sache mit meiner Mutter und seinem Fehlverhalten, noch nicht vergessen. Dann wollte er noch meine Handy-Nummer und erteilte mir einen Platzverweis zur Wohnung bis zum Abend. Der Polizeieinsatz hatte ihm offensichtlich Spaß gemacht. Mir gar nicht – Polizisten wollen vollsten Respekt und ich wurde wie ein blöder Spinner behandelt.