Traumata werden zur Psychose

 

Eine so genannte Psychose ist nun nichts anderes als die Wiederholung der als Kind erlebten Grausamkeiten in verschlüsselter Form. Die existenzielle Angst zum Beispiel, sprich: Todesangst von damals, wird wieder erlebt als Todesangst. Es sind nun freilich nicht mehr die Eltern, die damals fast die ganze Welt für den kleinen Menschen bedeuteten, die jetzt drohen und kontrollieren und missbrauchen und einem Gewalt antun, es ist die Welt des Erwachsenen. Der Busfahrer heckt ein Mordkomplott aus, die Muster in der Tapete fordern einen dazu auf, sich Schaden zuzufügen oder die Stimmen im Kopf quälen ihn. Die Wiederholung der Kindheit in verschlüsselter Form ist eine Regression der Psyche, die darauf abzielt, nun endlich Hilfe zu erfahren. So existenziell die Ängste und das Verlassensein als Kind waren, so existenziell bedrohlich ist die Umwelt und so von Allen verlassen erlebt der Mensch sich in der Psychose. Oft so unvorstellbar und nicht nachvollziehbar, weil der Leidende gar nicht mehr zwischen sich und der Außenwelt unterscheiden kann, so wie das auch in der Frühphase der Kindheit der Fall ist. Besonders tragisch ist nun, dass er von seiner Umwelt wiederum keine Hilfe, keine Nestwärme, sondern wieder Bestrafung erfährt.

Diese Zusammenhänge sind offensichtlich und seit Langem bekannt. Die Ignoranz, die in breiter Front bei Fachärzten, Therapeuten, Angehörigen und tatsächlich auch bei Betroffenen auszumachen ist, grenzt an Blindheit und ist nur dadurch zu erklären, dass man nicht bereit oder in der Lage ist, sich der eigenen Kindheit zu stellen.

Quelle: Psychose und Trauma – Klein 2004

 

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