Traumata werden zur Psychose

 

Eine so genannte Psychose ist nun nichts anderes als die Wiederholung der als Kind erlebten Grausamkeiten in verschlüsselter Form. Die existenzielle Angst zum Beispiel, sprich: Todesangst von damals, wird wieder erlebt als Todesangst. Es sind nun freilich nicht mehr die Eltern, die damals fast die ganze Welt für den kleinen Menschen bedeuteten, die jetzt drohen und kontrollieren und missbrauchen und einem Gewalt antun, es ist die Welt des Erwachsenen. Der Busfahrer heckt ein Mordkomplott aus, die Muster in der Tapete fordern einen dazu auf, sich Schaden zuzufügen oder die Stimmen im Kopf quälen ihn. Die Wiederholung der Kindheit in verschlüsselter Form ist eine Regression der Psyche, die darauf abzielt, nun endlich Hilfe zu erfahren. So existenziell die Ängste und das Verlassensein als Kind waren, so existenziell bedrohlich ist die Umwelt und so von Allen verlassen erlebt der Mensch sich in der Psychose. Oft so unvorstellbar und nicht nachvollziehbar, weil der Leidende gar nicht mehr zwischen sich und der Außenwelt unterscheiden kann, so wie das auch in der Frühphase der Kindheit der Fall ist. Besonders tragisch ist nun, dass er von seiner Umwelt wiederum keine Hilfe, keine Nestwärme, sondern wieder Bestrafung erfährt.

Diese Zusammenhänge sind offensichtlich und seit Langem bekannt. Die Ignoranz, die in breiter Front bei Fachärzten, Therapeuten, Angehörigen und tatsächlich auch bei Betroffenen auszumachen ist, grenzt an Blindheit und ist nur dadurch zu erklären, dass man nicht bereit oder in der Lage ist, sich der eigenen Kindheit zu stellen.

Quelle: Psychose und Trauma – Klein 2004

 

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Einweisung durch falsche Fremdanamnese

 

Werden zu viele Menschen ohne triftigen Grund in die Psychiatrie eingewiesen? Mindestens ein Drittel aller Zwangseinweisungen, so schätzen Experten, dienen nicht dem Patienten. Sie nutzen allein denen, die an einer Entsorgung der nur vermeintlich psychisch Kranken interessiert sind.

 

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Diagnostische Kategorien

 

In meiner Tätigkeit als Direktor der psychiatrischen Abteilung im Stanford Hospital vertraute ich auf die Diagnose, um die richtige Entscheidung für eine effektive pharmakologische Behandlung zu treffen. Aber meine praktische, psychotherapeutische Erfahrung der letzten vierzig Iahre mit weniger schwer gestörten Patienten zeigte, dass der diagnostische Prozess weitgehend irrelevant ist, und ich gelangte zu der Auffassung, dass die Verrenkungen, die wir Psychotherapeuten anstellen müssen, um die Anforderungen der Krankenversicherungen nach einer präzisen Diagnose zu erfüllen, sowohl für den Therapeuten als auch für den Patienten von Nachteil sind. In der Diagnostik setzen wir das Messer nicht an den Gelenken der Natur an, wie Plato es ausdrückt, wir halten uns also nicht an die Vorgaben der Natur. Diagnostische Kategorien sind von Menschen ausgedacht und willkürlich; sie sind Ergebnisse von Abstimmungen in Ausschüssen und werden in jedem neuen Jahrzehnt in nicht unerheblichem Maß überarbeitet.

Aber mein Gespräch mit Helena öffnete mir die Augen dafür, dass die Aufgabe, eine formelle Diagnose zu erstellen, nicht einfach nur ein Ärgernis ist. Sie kann unsere Arbeit sogar behindern, indem sie den vielschichtigen Menschen, der uns in unserer Praxis in Fleisch und Blut gegenübertritt, verschleiert, ja sogar negiert …

Quelle: Aus dem Buch “Denn alles ist vergänglich – Geschichten aus der Psychotherapie” von Irvin D. Yalom

 

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Von Mensch zu Mensch

 

YouTube-Musiktipp – Unheilig

Ich wünsch’ mir kein Mitleid. Keinen tröstenden Blick. Ich bin ein Mensch. So wie du es bist. Sieh einfach hinweg über Äußerlichkeit. Über Schatten, die mich begleiten, die das Schicksal schreibt. Dreh’ dich nicht weg. Geh’ nicht vorbei. Schenk’ mir das Gefühl, nicht alleine zu sein. Ich hab’ die gleichen Träume wie du. Und ein Herz, das in mir schlägt. Hoffnung, die mich begleitet. Und das Glück mein Leben prägt. Ich hab’ die gleichen Ängste wie du. Und Schönheit, die in mir lebt. Nimm’ mich als Mensch, so wie ich bin …

 

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Ursache einer Psychose

 

 

Die einfachste Erklärung, für die Entstehung von Psychosen, ist der tägliche Kampf um das Dasein. Der moderne Zeitgeist “Nach mir die Sintflut” treibt viele Menschen in den seelischen Absturz bzw. in den Wahnsinn. Dieser gnadenlose Egoismus ist das Erbe der Evolution. Mobben (fressen) und gemobbt (gefressen) werden – der Stärkere gewinnt. Das ist die Realität – nicht nur in der Tierwelt – sondern auch in der zivilisierten Menschenwelt. Und damit ist eine Psychose eben nur das Resultat einer gleichgültigen Gesellschaft. Und der Suizid das Endresultat. Eine gute Partnerschaft oder verständnisvolle Freunde können wesentlich mehr helfen, als der jahrzehntelange Einsatz von Psychopharmaka.

Bildquelle: Postkarten.de

 

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